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Heißes Klima durch Abholzung   Großhändler setzen auf Gen-Futter     Entwicklungshilfe für Kaffee-Marktführer     Afrika ohne große Seen     Brasiliens größte Garnelenfarm geplant     Eukalyptus und Greenwashing     Die einen jubeln – die anderen protestieren     Zu billig und voller Pestizide       Von Cadmium und anderen Irrtümern     Ungesunde Papierarbeit     Auf die (Öl-)Palme gehen     Brasilien: Resignation und Protest im Pantanal

Umweltnachrichten November 2005

 

 

Heißes Klima durch Abholzung

Die Abholzung von Indonesiens Tropenwäldern ist maßgeblich an der steigenden, globalen Klimaerwärmung beteiligt. Das berichteten jüngst Münchner Forscher. Ein indonesisch-europäische Forscherteam, unter Leitung der Ludwig-Maximilian-Universität in München, untersucht schon seit 1995 die Ursachen und Folgen der riesigen Waldbrände in Indonesien. Besonders die Brände der so genannten Torfregenwälder erzeugten beispielsweise mehr Kohlendioxid (CO2) als ganz Deutschland mit seinen Energiesparmaßnahmen einspart. Ursache der Brände: Tropenholzeinschlag und Trockenlegung der Torfsümpfe. Die indonesische Regierung, klagen die Forscher, habe bis heute kein Interesse an der Erhaltung der Torfregenwälder.
 

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Großhändler setzen auf Gen-Futter

„So viel Genmais wie noch nie, hieß es, würde dieses Jahr in Bayern angebaut. Die Prognose hat sich nicht bestätigt“, berichtete kürzlich der Bayerische Rundfunk (www.br-online.de). Viele Landwirte hätten ihre ursprünglich gemeldeten Flächen wieder zurückgezogen. Doch die Bauern, die auf Gentechnik im Stall verzichten wollen, bekämen nun von Seiten der Futterhändler Probleme. „Wer im Stall auf gentechnisch verändertes Soja verzichten will, muss mit dem Widerstand der Konzerne rechnen.“ Trotzdem gibt es bereits über 20 gentechnikfreie Regionen in Bayern.
 

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Entwicklungshilfe für Kaffee-Marktführer
Eigentlich sollte staatliche Entwicklungshilfe in erster Linie den Ärmsten zu gute kommen. Doch nun meldete die staatliche DEG (Deutsche Investment- und Entwicklungsgesellschaft), dass sie einem der größten Verarbeiter und Exporteure von indischem Kaffee – der Amalgamated Bean Coffee Trading Company Ltd. (ABCTCL) – mit einem weiteren günstigen Darlehen in Höhe von fünf Millionen US-Dollar unterstützt. Bereits 2003 bekam der Kaffee-Riese 7 Millionen von der DEG, um seine Markteinteile am indischen Kaffee-Markt noch zu vergrößern.
 

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Afrika ohne große Seen

Die dramatischen und erschreckenden Zerstörungen von afrikanischen Seen sind nun in einem Atlas des UN-Environment Programme UNEP zu sehen. Am schlimmsten sieht es für den Niger aus: Dort sind schon 80 Prozent seiner Feuchtgebiete in den vergangenen 20 Jahren verschwunden. Auch die Tage des Viktoria-Sees dem größten See Afrikas scheinen gezählt, wenn nicht bald gegengesteuert wird.Der ökologische Zustand des Viktoriasees, so die UNEP, sei durch die schnell wachsende Bevölkerung hochgradig gefährdet, ebenso durch den Kahlschlag der natürlichen Vegetation entlang der Uferlinie, durch die boomende Fischexportindustrie sowie durch die Einführung fremder Pflanzen- und Tierarten.

www.unep.org
 

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Brasiliens größte Garnelenfarm geplant

Die Tage der natürlichen Mangroven- und Restingavegetation bei der Stadt Caravelas scheinen gezählt. Wie die Universität von Rio meldet, sei in diesem Teil von Bahia Brasiliens größtem Garnelenzuchtprojekt geplant. Die Shrimp-Zuchtanlage soll insgesamt 1500 bis 2000 Hektar groß werden. Die Ausweitung der Garnelenzucht für den Export vor allem nach Europa schreitet seit 15 Jahren schier unaufhaltsam voran, obwohl zahlreiche einheimische Fischer-, Umwelt- und Menschenrechtsvereinigungen massiv dagegen protestieren. Grund: Garnelenzucht zerstört Naturflächen, Fischgründe, den natürlichen Schutz vor Sturmfluten und führt zur Vertreibung und Verarmung lokaler Bevölkerungen.
 

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Eukalyptus und Greenwashing

Laut Robin Wood kämpften die brasilianischen Ureinwohner von Espirito Santo verzweifelt um die Rückgabe ihres Landes, das ihnen vom Zellstoffkonzern Aracruz genommen und für seine Eukalyptusplantagen missbraucht wurde. Robin Wood: „Da ihre rechtmäßigen Forderungen bislang nicht erfüllt wurden, besetzten sie Anfang Oktober für mehrere Tage die Zellstoff-Fabrik von Aracruz.“ Die Proteste der Indianer richten sich auch gegen die massiven Umweltschäden durch die Anlage der Plantagen. So klagt die lokale Bevölkerung über vertrocknete Brunnen und ein massives Fischsterben, seit Aracruz in ihrer Nachbarschaft Eukalyptus gepflanzt hat.
Der an Procter & Gamble liefernde Konzern kennt indes die Klagen schon seit Jahren. Aber statt das Land zurückzugeben und die Schäden zu beheben, engagierte er lieber die britische Unternehmensberatung und PR-Agentur „SustainAbility” zur Imageaufbesserung. Die vom Briten John Elkington -  Autor solcher Bücher wie "The Green Capitalists" – gegründete PR-Agentur gilt bei Insidern als Spezialist für das so genannte Greenwashing.
 

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Die einen jubeln – die anderen protestieren

Während vergangenen Oktober Medien und Politiker die erste Landung des neuen Riesen-Großraumflugzeugs A380 bejubelten, protestierte die Umweltschutzorganisation Robin Wood. „Der A380 ist eine Spritschleuder und ein Klimakiller“, so Robin Wood. „Airbus behauptet werbewirksam, die Maschine würde nur 3,3 Liter Kerosin pro Passagier auf 100 Kilometer verbrauchen. Diese Rechnung geht je doch nur auf, wenn die Maschine Langstrecken fliegt und stets mit mehr als 500 Fluggästen besetzt ist. Der Bau von Großraumflugzeugen wie dem A380 wird sich nur rentieren, wenn sich immer mehr Menschen zu Langstreckenflügen verleiten lassen. Airbus setzt auf eine Verdopplung des Flugverkehrs in den nächsten 20 Jahren – ein Horror-Szenario aus Sicht des Klimaschutzes. Schon jetzt trägt der Flugverkehr nach Experten-Angaben bis zu 12 Prozent zur globalen Erwärmung bei.“
 

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Zu billig und voller Pestizide


„Ja, der Freie Markt wird es schon richten.“ Falsch! Gerade beim Kaffee zeigt sich die Verlogenheit oder Falschheit dieses von Wirtschaftsbossen und „liberalen“ oder „konservativen“ Politikern gerade in den vergangenen zehn Jahren gebetsmühlenartig wiederholten Satzes. Ein im wahrsten Sinne des Wortes vogelfreier, entfesselter Markt ohne staatliche oder supra-staatliche Regeln führt dazu, dass der Weltmarktpreis für Kaffee niedriger ist, als dessen Produktionskosten. Das ist zwar gut für die großen, den Markt beherrschenden Lebensmittelkonzerne, die den Kaffee aufkaufen, aber eine Katastrophe für Millionen von Menschen, die vom Kaffee-Anbau leben sowie von zahlreichen anderen Menschen in den Tropenländern, deren Einkünfte stark von den Kaffee-Export-Einnahmen abhängig sind.

Etwa 80 bis über 90 Cent kostet es den lateinamerikanischen Kaffee-Bauern, um rund 500 Gramm Kaffee zu produzieren. Auf dem Weltmarkt gebe es aber nur 50 bis 60 Cent dafür, schätzt Transfair, die internationale Organisation für den fairen Handel. Der Preis steige im Grunde immer nur dann auf ein einigermaßen erträgliches Niveau, wenn es eine mehr oder weniger große landwirtschaftliche Katastrophe in einem der wichtigen Kaffeeländer gibt, wie zum Beispiel die ungewöhnliche Dürre in Brasilien im vergangenen Jahr. Einige Kaffee-Bauern können dann zwar von dieser Preissteigerung profitieren. Vergessen werden aber dabei in der Regel diejenigen, die Aufgrund der Dürren oder auch Kälteeinbrüchen ihre Kaffee-Ernte verloren haben. Ihnen zahlt keiner etwas.

Gleiches gilt für das Millionenheer der Saisonarbeitskräfte, die leer ausgehen, wenn es nichts zu ernten gibt. Sie sind auch die „Verlierer“, wenn es um den konventionellen Pflanzenschutz geht. Denn sie sind in erster Linie den im modernen Kaffee-Anbau eingesetzten Pestizidwirkstoffen ausgesetzt. Und das sind nicht gerade wenige. Sie heißen Anilazine, Benomyl. Boscalid, Chorothalonil, Cyproconazole, Glyphosate (Monsantos Round-up), Iprodione, Mancozeb, Tetraconazole. Die Aufzählung könnte problemlos um einiges länger sein, gibt es doch noch über ein Duzend weitere, international erlaubte Gifte im Kaffeeanbau. Keine Angst: Im Kaffee, den wir trinken, findet sich dieser Giftcoctail in der Regel nicht, da ja nur der Kern der Kaffee-Kirsche genutzt wird. Dafür aber wird man mit Sicherheit den einen oder anderen Giftcoctail im Blut der Kaffee-Arbeiterinnen und Arbeiter oder in Böden und Gewässern der betreffenden Anbaugebiete isolieren können. Wer sich für Details interessiert, dem sei an dieser Stelle der 2005 veröffentlichte Bericht „Plant Protection in Coffee  - Recommendations for the Common Code for the Coffee Community-Initiative” von Anna-Elisabeth Jansen empfohlen.

Lösung: Fair gehandelter Bio-Kaffee

Verarmung und von Krankheiten durch Pestizide betroffene Menschen, sind kein unabänderliches Schicksal. Dies muss nicht sein. Die Staaten, die Kaffee-Anbaugemeinden, die Kaffee-Aufkäufer und auch der Einzelne Konsument: Sie allen haben die Chance, es besser zu machen. Beispiele gibt es genug. Zu fairen Preisen gehandelter und biologisch angebauter Kaffee ist schon seit vielen Jahren im Handel. Statt 60 Cent gibt es für Transfair-Kaffee rund das Doppelte.
Und fairer Bio-Kaffee bringt den Bauern sogar noch mehr, etwa 1,5 Euro pro Pfund Kaffee ein.

Der Marktanteil der fairen Kaffee-Bohnen steigt zwar über die Jahre gesehen stetig an. Im Vergleich zum Weltmarkt mit konventionellem Kaffee liegt er allerdings noch eher im homöopathischen Bereich. Schuld daran sind freilich in erster Linie die großen Aufkäufer, die sich obendrein auch noch seit einigen Jahren „Alibi-Projekte“ zur Imageaufbesserung vom deutschen Steuerzahler bezahlen lassen. Gemeint sind die diversen PPP-Projekte mit dem deutschen Ministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. PPP steht für Public Private Partnership und bedeutet konkret, dass der Staat ein Privatunternehmen Co-finanziert, damit dieses Aufgaben der Entwicklungshilfe übernimmt.

Kaffee-Kasse für Kleinbauern

Dabei geht es doch im Prinzip nur um „Peanuts“. So beträgt der Anteil des Kaffees am Preis eines Cappuccino für 2.50 Euro in der Bar oder Café lediglich 3,5 Cent. Eigentlich könnten alle Restaurants für jede verkaufte Tasse Kaffee einen solidarischen Beitrag in eine „Kaffee-Kasse“ zahlen, aus der dann beispielsweise die von Dürren oder anderen Katastrophen betroffenen Kaffee-Kleinbauern oder Kaffee-Arbeiterinnen und Arbeiter entschädigt werden. Nur ein Cent pro Tasse würde schon viel bringen und umgekehrt dem Gast mit Sicherheit nichts ausmachen.
 

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Von Cadmium und anderen Irrtümern
Öko-Test zeichnet Aldi-Schokolade aus


Bittere Medizin hilft am besten. Mit diesem Spruch sind viele aufgewachsen. Neuerdings heißt es auch: Bittere Schokolade sei gesund. Grund: Bitterschokolade enthält weniger Zucker und weniger Fett, dafür aber erheblich mehr Kakao. Und dieser wiederum zeigt offensichtlich seine Wirkung. Medizinforscher fanden heraus: Er soll das Herz-Kreislauf-System schützen und sogar die Entstehung von Karies unterbinden. Sogar Raucher-Herzen soll die bittere Schokolade einen gewissen Schutz geben, weil bereits etwa 40 Gramm dunkle Schokolade täglich die Funktion der Gefäß-Innenwände verbessere und den Blutfluss förderel.

Heißt das, dass man nun sich selbst und den Nachbarn zuqualmen kann, ohne dass man selbst oder die Passivraucher Gefahr laufen, mit einem Raucherbein oder Lungenkrebs auf einem Operationstisch zu landen. Schnell eine bittere Schokotafel reinschieben und fertig? Natürlich nicht! Genauso wenig muss man den Kakao in Form von Schokolade mit mehr oder weniger Zucker, Fetten und etlichen Kalorien essen, um Gesund zu bleiben oder die Segnungen der „sanften“ Droge Kakao zu genießen. Bitteren Kakao kann man genauso gut auch trinken, wie es einst die Präkolumbianischen Völker machten, wo der Kakao auch seinen Ursprung hat.

Aber damit heute andere nicht unter unserem Kakao-Genuss zu leiden haben, sollte man von konventionellen Produkten einen weiten Bogen machen. „Bio“ und „fair“ sollte der Kakao schon sein, auch wenn nun kürzlich die Zeitschrift „Öko-Test“ *  Aldi-Schokolade und ähnliche menschenrechtlich und ökologisch bedenkliche Konzern-Produkte mit „sehr gut“ bewertete. Geprüft wurde auf einige Inhaltsstoffe, was durchaus richtig, aber dennoch viel zu kurz gegriffen ist. Themen wie Umweltprobleme durch Monokulturen vor Ort und Kindersklavendienste in afrikanischen Kakaoplantagen ließ „Öko-Test“ einfach beiseite. Pech für zwei Bio-Schokaladenanbieter, die ökologisch angebauten Kakao aus seiner Ursprungsregion, Südamerika beziehen. Denn aufgrund der vulkanischen Böden in den Andenregionen ist dieser Kakao höher mit dem problematischen Schwermetall Cadmium (cd) belastet, als beispielsweise afrikanischer Kakao. Damit bekamen diese bitteren Bio-Produkte von den „Öko-Testern“ ein „Mangelhaft“. Die faire GEPA-Schokolade Fairena sowie die Rapunzel Bio Noir hatten da noch mal Glück gehabt. Weil sie ihren fairen und ökologisch produzierten Kakao aus anderen Anbaugebieten ohne cd-Belastung beziehen, ernteten sie dasselbe „sehr gut“ wie die Billigschoko von Aldi.


* Anmerkung: Die Vorsilbe „Öko“ ist übrigens nur bei Lebensmitteln rechtlich vor Missbrauch geschützt, bei Publikationen gibt es diesen Schutz nicht.
 

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Ungesunde Papierarbeit
 

Die Papier- und Zellstoffindustrie schafft Arbeitsplätze. Das ist das übliche Argument vor allem aber nicht nur in der „Dritten Welt“, um Holzplantagen und Papiermühlen zu genehmigen – egal wie umweltschädlich sie auch sein mögen. Aber nun entkräftet ein Bericht des „World Rainforest Movement“ auch dieses Argument. Am Beispiel des Papier- und Eukalyptus-Zellstoff-Konzerns Aracruz in Brasilien zeigt der Report, dass für die betroffene, lokale Bevölkerung insgesamt gesehen eher mit Arbeitsplatzverlusten zu rechnen sei.

Allein die Aneignung von 375.000 Hektar Urwaldfläche und Ackerland für die Monokulturen von Aracruz habe Tausende von Familien um Brot und Existenz gebracht sowie Tausende von Arbeitsplätzen in der Landwirtschaft vernichtet. Und die wenigen Jobs, die im Gegenzug für die ungelernten Arbeitskräfte geschaffen wurden, seien gefährlich, machten Krank und seien schlecht bezahlt. Inzwischen habe sich eine Initiative ehemaliger ernsthaft erkrankter Aracruz-Arbeiter gebildet, so der Report, die Aracruz vor Gericht verklagen wollen. Besonders gefährlich sei die Arbeit in den Aracruz-Monokulturen, weil diese häufig ohne Schutzanzüge die Pflanzen mit Pestiziden behandeln müssten.

Der Bericht "Promises of Jobs and Destruction of Work: The case of Aracruz Celulose in Brazil" steht im Internet unter: www.wrm.org.uy/countries/Brazil/fase.html
 

Flüchtlinge des Naturschutzes

Noch vor rund fünfzehn Jahren gab es in Thailand Naturschutzgebiete höchstens auf dem Papier. Dank internationaler Finanzmittel aus der so genannten Global Environment Facility der Weltbank und tatkräftiger Unterstützung US-amerikanischer Naturschutzorganisationen sowie der US-Entwicklungshilfe (USAID) gibt es dort heute insgesamt 138 Regenwald- und Meeresschutzgebiete oder Nationalparks. Gut für die Natururlauber, die nun ein reichhaltiges Angebot mit entsprechender Infrastruktur in den Schutzgebieten vorfinden. Schlecht für zum Beispiel die traditionellen Waldbewohner vom Volk der Karen, die in diesen Gebieten ihre Heimat haben, aber dort nun nicht so leben dürfen, wie ihre Vorfahren oder gar gänzlich umgesiedelt wurden. Thailand ist da kein Einzelfall. Wie der Autor Mark Dowie nun in seinem Report „Conservation Refugees" berichtet, flossen die meisten Naturschutzgelder von USAID, rund 300 Millionen Dollar, an die drei großen Naturschutzorganisationen Conservation International (CI), The Nature Conservancy (TNC) und World Wide Fund for Nature (WWF). Die betroffenen und oft von ihren Gebieten vertriebenen Ureinwohner in den Tropen gingen leer aus. Stattdessen fühlen sie sich heute im 21. Jahrhundert als Opfer oder besser gesagt Flüchtlinge des Naturschutzes.

www.oriononline.org/pages/om/05-6om/Dowie.html
 

Palmöl für Europas Autos?

Tropischer Regenwald gibt es nicht mehr so viel in der Welt. Auch im afrikanischen Uganda wird er bald zur Rarität werden. Grund ist die Ausweitung der Ölpalm-Plantagen für den Export von Palmöl: Weltmarktrohstoff für Waschmittel und für Brat- und Kochöle und für Biodiesel – Palmölmethylester, der künftig auch dem Erdöl-Diesel in der EU beigemischt werden soll. Regenwaldabholzung als Alternative zum Erdöl? Ob da nicht der Teufel mit dem Belzebub ausgetrieben wird? Die Weltbank denkt offensichtlich anders darüber und finanziert diese Regenwaldzerstörung, so die Informationen des World Rainforest Movement, mit einem Kredit von 10 Millionen US-Dollar.

www.wrm.org.uy
 

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Und täglich grüßt das Murmeltier..
Hier die aktuelle Dezember-Kolumne der Bionachrichten

 

Auf die (Öl-)Palme gehen
 

Ich finde es ja sehr schön, gemütlich mit 40 bis 50 Stundenkilometern im Zug durch die Landschaft zu gondeln. Aber zeitgemäß ist dieses Vorkriegsschneckentempo für ein Massentransportmittel des 21. Jahrhunderts nicht. Leider aber sieht so teilweise die Realität auf der Bahnstrecke zwischen Töging/Mühldorf und Passau aus. Mit dem Auto lege ich die gleiche Strecke in 60 bis 90 Minuten zurück, für die ich im Zug bestenfalls 2,5 Stunden brauche. Da ich weder 5 bis 7 Stunden pro Tag zur Arbeit in die Redaktion pendeln wollte, aber mich genauso wenig täglich mit dem Auto auf B 12 und A 94 dem leider noch immer oft tödlichen Straßenverkehr aussetzen und die Umwelt mit Abgasen, Feinstaub, Bremsabrieb und Lärm belasten wollte, blieb mir nichts anderes, als der Umzug übrig. Die schöne Stadt Passau hat nun einen Neubürger mehr. Die Region allerdings verlor einen Steuerzahler und wieder etwas Kaufkraft.

Ein funktionierender, öffentlicher Personennah- und Regionalverkehr ist nicht nur für Großstädte wie München wichtig. Gerade Regionen und Gemeinden fernab der Zentren brauchen einen guten ÖPNV und öffentlichen Regionalverkehr, sonst bluten sie noch mehr aus. Investitionen in öffentliche Transportmöglichkeiten sind Investitionen in die Zukunft, sind aktiver Klimaschutz, halten die Regionen lebendig, helfen, dass auch jüngere und ältere, nicht motorisierte Mitbürger am öffentlichen Leben teilhaben. Das haben leider in der Vergangenheit allzu viele Politiker, Bürgermeister und Landräte in der ost- und südostbayerischen Provinz nie kapiert. Nun scheint sich diese provinzielle Ignoranz sogar in Berlin breit zu machen. Als eine der ersten Maßnahmen kündigte die Regierung Merkel die Kürzung der ÖPNV-Subventionen an. Gute Nacht Deutschland! Der letzte löscht das Licht!

Aber noch etwas hat mich die Tage vor Weihnachten regelrecht auf die (Öl-)Palme gebracht.

Bei den Recherchen zum Thema Pflanzenöl war ich auf den wissenschaftlich scheinenden Bericht des Vorsitzenden des Bundesverbandes Pflanzenöle e.V. gestoßen. Allen Ernstes behauptet der Professor einer bayerischen Fachhochschule, man könne den Welterdölverbrauch beispielsweise mit Palmöl ersetzen, man müsse nur 12 Prozent der „Landfläche“ Afrikas mit Ölpalmen bepflanzen. Dass man sich mal grob verschätzt - sei es aus Überengagement oder persönlichen Interessenskonflikten - kann vorkommen. Nicht in Ordnung ist, dass die professoralen, schön gerechneten und auf falschen oder stark überschätzten Annahmen beruhenden Thesen blind von manchen Naturschutz- und Öko-Verbänden oder Solarvereinen weiterverbreitet werden. Auf Teufel komm raus wollte der Professor nachweisen, dass der Anbau von Pflanzenölen nicht auf Kosten des Nahrungsmittelanbaus geht – und traf offensichtlich auf viele gut gläubige Ohren.

Ausgangspunkt seiner Berechnung ist die Annahme, dass Ölpalmen 10.000 Liter Öl je Hektar liefern. Aber tatsächlich liegen die Erträge im Weltmittel nur bei 2.200 l und selbst der Spitzenwert nur bei 7.000 l. Und dass der Professor für seine weiteren Milchmädchenrechnungen als Grundlage die „Landfläche“ nimmt und nicht die tatsächlich vorhandene landwirtschaftliche Nutzfläche, ist so naiv wie kriminell. In der Sahara kann man keine Ölpalmen anbauen, auch nicht im Viktoriasee. Tatsächlich beträgt laut FAO die heutige landwirtschaftliche Nutzfläche Afrikas nur rund 7 Prozent der Landfläche des Kontinents. Da außerdem die Böden nicht alle gleich gut sind, kann man getrost davon ausgehen, dass nicht ein einziger Hirsehalm mehr für die Ernährung der Afrikaner oder für die „Aldi-Schokolade“ übrig wäre, wollte man die Energiewelt mit Palmöl aus Afrika beglücken. Und mit Regenwald, Gorillas, Elefanten und Naturtourismus wäre natürlich auch Schluss. Wer will schon in einer 10 Millionen Quadratkilometer großen Ölpalmplantage unter Pestizidduschen urlauben?

Mit weihnachtlichen Grüßen, das Murmeltier
 

Das Murmeltier ist das bekannteste Tier der Alpen. Der römische Historiker Plinius der Ältere nannte es "Mus Alpinus", die Alpenmaus, weil es "in den Löchern lebt und pfeift wie eine Maus." Biologen sagen, dass das Murmeltier weitsichtig ist und ein sehr gutes Gehör hat, so dass es fast das Gras wachsen hört. Und wenn es eine Gefahr wittert, warnt es lautstark mit schrillem Pfiff. Gründe genug, um es zum Symbol für diese Kolumne zu machen. Ein anderer Grund ist der amüsante Hollywoodfilm "Und täglich grüßt das Murmeltier", in dem ein zynischer Fernsehjournalist jeden Morgen aufwacht, um denselben Tag erneut zu erleben. Aber nicht nur im Film: Auch im wirklichem Leben kommt es ja einem manchmal vor, als hätte man das ganze schon mal erlebt und nichts würde sich ändern… Und zweimonatlich grüßt das Murmeltier.

 

Das Murmeltier ist eine Kolumne von Norbert Suchanek und erscheint in den Bionachrichten.
Bionachrichten
Regensburger Str. 34
D-94036 Passau
www.bionachrichten.de
E-Mail: info@bionachrichten.de
 

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Brasilien: Resignation und Protest im Pantanal
Umweltmord durch Bioalkohol


Einer meiner ersten Artikel überhaupt, den ich veröffentlicht habe, handelte über das Thema alternative Treibstoffe. Er trug den Titel „Die Zukunft gehört dem Wasserstoff“ und erschien 1988 in der Deutschen Tagespost. Ich stehe noch heute im Wesentlichen hinter den Aussagen des Artikels, der an Aktualität bis heute nichts eingebüßt hat. Er zeigt die Vorteile von pflanzlichen Treibstoffen wie Rapsöl im Vergleich zu Erdöl auf, warnt aber gleichzeitig vor zuviel Euphorie. Denn ich hatte das negative Beispiel Brasilien vor Augen, wo schon in den 1980er Jahren die Regierung auf Teufel komm raus auf Alkohol – heut spricht man fälschlich von Bioalkohol - aus Zuckerrohr als Benzinersatz setzte. Während Menschen im Nordosten des Landes verhungerten, opferte die brasilianische Regierung die besten Böden und sogar Regenwaldgebiete dem Autofahren mit Ethanol. Wie aktuell mein nun schon 17 Jahre alter Artikel ist, zeigt der Tod des brasilianischen Journalisten und Umweltschützers Francisco Anselmo Gomes de Barros.

Der 65jährige, in Brasilien als „Francelmo“ bekannte Gründer einer der ältesten Naturschutzorganisationen des Landes, Fundacao para Conservacao de Natureza de Mato Grosso du Sul, verbrannte sich öffentlich aus Resignation und Protest gegen die weitere Zerstörung und Vergiftung von Brasiliens Naturressourcen durch Ausweitung des Zuckerrohranbaus und dem Bau noch weiterer Ethanolfabriken. Er sah in seinem schrecklichen Tod die einzige Chance den geplanten Bau von nicht weniger als 23 Bioalkoholfabriken im Wassereinzugsgebiet des Pantanal, des größten Feuchtgebiets der Erde, zu verhindern. 1982 noch hatte Francelmo im Verbund mit vielen anderen brasilianischen Umweltschutzorganisationen ein Gesetz durchsetzen können, dass die aufgrund ihrer giftigen Abwässer umweltschädlichen Ethanolfabriken nicht mehr im Bereich der rund 180.000 Quadratkilometer großen Süßwasserwildnis im Länderdreieck Brasilien, Bolivien und Paraguay errichtet werden dürften. Doch genau dieses, will der Gouverneur des brasilianischen Bundesstaates Mato Grosso kippen, um auch am Boom des „Biosprits“ für den Autoverkehr sowie für den Export zu profitieren.

Bereits heute ist Brasilien der weltweit größte Produzent von Ethanol. Seine Zuckerrohranbaufläche ist auf rund 5,7 Millionen Hektar angewachsen mit einer jährlichen Produktion von rund 15 Milliarden Liter Alkohol sowie 26,5 Millionen Tonnen Zucker, so die aktuellen Zahlen des brasilianischen Landwirtschaftsministeriums. Schon seit langem fahren Brasiliens Autos zu etwa 44 Prozent mit diesem in Europa nun als „Biotreibstoff“ propagierten Ethanol, der dort zum einen als reiner Alkohol oder als Benzin-Alkoholgemisch getankt werden kann. Rund 2,5 Milliarden Liter seiner Ethanolproduktion aus Zuckerrohr exportiert Brasilien bereits vor allem in die USA und nach Indien. Brasilien ist damit mit Abstand der weltweit größte Ethanolexporteur, analysiert die aktuelle Worldwatch Institute-Studie „Renewables 2005 – Global Status Report“. Und die brasilianischen Zucker- und Ethanolindustrie könnte und will noch viel mehr Ethanol exportieren - vor allem nach Europa, wenn es die EU zulässt. Schließlich könne Brasilien den „Biosprit“ um mehr als 50 Prozent billiger produzieren als die EU, so das Worldwatch Institute.

Diese globale Sichtweise ist bisher allerdings in der Diskussion um Biotreibstoffe bei uns in Deutschland noch zu kurz gekommen. Noch immer denken wir beim Thema Biodiesel oder Bioalkohol zuerst an unsere eigenen Bauern und Absatzchancen. Aber wir vergessen, dass wir in einer globalisierten Welt leben, in der am Ende nur noch der Preis zählt. Es ist naiv zu glauben, der künftige Biosprit aus der Tankstelle um die Ecke stamme von heimischen Bauern. Das ist zwar dank hoher Subventionen derzeit noch teilweise der Fall. Doch bereits jetzt ist ebenso Biodiesel aus Palmöl auf dem Markt – Palmöl aus der „Dritten Welt“, erzeugt mit unerträglichen sozialen und ökologischen Kosten wie der Vertreibung von lokalen Bevölkerungsgruppen, Regenwaldabholzung und Gewässervergiftung.

Das heißt nicht, dass man gegen den Anbau von nachwachsenden Rohstoffen generell sein sollte. Die Bauern weltweit bauen schon seit Jahrtausenden parallel zur Nahrung auch Rohstoffe an: Hanf und Flachs zum Beispiel oder Färberwaid. Es ist nur eine Frage des Wie und der Verhältnismäßigkeit. Unsere landwirtschaftlichen Nutzflächen sind nicht unendlich vermehrbar.

Schon seit dem ersten Bericht an den Club of Rome, „Die Grenzen des Wachstums“, 1972, wissen wir, dass der verschwenderische Ressourcenverbrauch so nicht weitergehen darf – will die Menschheit in ihrem Ökosystem Erde überleben. Und einer der größten Verbraucher ist nun mal der Individualverkehr. Das Auto für jeden, so das Worldwatch Institute, „führt nicht in ein zukunftsfähiges Jahrhundert.“

Es ist zu kurz gegriffen und der falsche Ansatz, wenn wir lediglich fossile Treibstoffe durch andere austauschen, aber trotzdem immer mehr Autos in die Welt setzen und immer mehr Lastwagen quer durch Europa schicken. Ressourcen- und Flächenverbrauch werden dadurch nicht geringer, die Luft nicht wirklich besser. Und die verstopften Straßen werden auch nicht leerer, nur weil die Tankstellen Palm- und Rapsöl, Ethanol, oder Biodiesel statt Benzin und Diesel verkaufen. Das gilt genauso für Wasserstoff-Autos. Auch sie sind – hier muss ich mich in meinem alten Artikel korrigieren - nicht die Lösung, sondern ebenso das Problem. Nicht zu letzt kommt es beim Wasserstoff als Energieträger darauf an, wie er hergestellt wird. Bisher stammt er zum überwiegenden Teil aus Kohle und nicht aus Solarstrom. Und die Gefahr ist groß, dass ein wirklich sauberer Wasserstoff weiterhin nur Wunschtraum von unverbesserlichen Umweltschützern bleibt. Schon rüttelt die Kernkraftlobby am rotgrünen „Atomausstieg“ auch mit dem Argument, dass sich Wasserstoff „preisgünstig“ mit Atomstrom produzieren ließe – und wenn nicht bei uns, dann in China, wo in den nächsten Jahren 40 neue Atomkraftwerke entstehen sollen.

In seinen verschiedenen Abschiedsbriefen an die Medien und befreundete Naturschützer schrieb der Umweltaktivist Francelmo: „In Brasilien sehen wir mit an, wie das Schiff sinkt, und niemand sagt etwas.“ Er habe sich selbst verbrannt, weil er es als den einzigen Weg ansah, die Leute wachzurütteln. Und tatsächlich hat seine schreckliche Selbstverbrennung nicht nur landesweit Schlagzeilen erzeugt. Elf Tage nach seinem Tod lehnte eine Regierungskommission den Bau der geplanten Ethanolfabriken im Becken des oberen Rio Paraguay ab. Das zum Teil als Unesco-Biosphärenreservat erklärte Pantanal mit seinem extremen Tierreichtum von rund 240 Fischarten, 70 Amphibien- und Reptilienarten, 650 Vogelarten sowie 80 großen Säugetierarten, die Serengeti Südamerikas, bleibt vom Biotreibstoffboom verschont – vorerst.
 

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